Wenn sich Licht und Schatten die Waage halten
Der September trägt den Duft reifer Äpfel, feuchter Erde und der ersten kühlen Morgen in sich. Was im Sommer wuchs, wird jetzt eingebracht, und die Natur wendet sich langsam nach innen. Den Mittelpunkt des Monats bildet Mabon, das Fest der Herbst-Tagundnachtgleiche. Für einen Moment halten sich Tag und Nacht genau die Waage, bevor die Dunkelheit überwiegt. Mabon lädt dazu ein, die Ernte des Jahres zu würdigen und gleichzeitig loszulassen, was seine Zeit erfüllt hat. Es ist ein Fest des Gleichgewichts: zwischen Geben und Nehmen, Wachstum und Rückzug, Fülle und Loslassen.
Um diesen zentralen Tag herum reihen sich weitere stille Wegpunkte: Ägidius am Monatsanfang, Mariä Geburt und die Portaltage um die Monatsmitte, Kreuzerhöhung und Matthäus als traditionelle Lostage und schließlich Michaelis am Monatsende, das Fest des Mutes und der klaren Entscheidung.
Der September ist die Zeit, das Tempo zu drosseln und wahrzunehmen, wie viel bereits gewachsen und gereift ist. Gleichgewicht beginnt dort, wo wir bereit sind, ebenso bewusst loszulassen, wie wir einst gesät haben.
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Feste im September
Ägidius am 1. September
Ägidius war ein Einsiedler des 7. Jahrhunderts und gilt als einer der Vierzehn Nothelfer. Er ist der Schutzpatron der Hirten, Bettler und stillenden Mütter. Traditionell sagt er das Wetter für die nächsten vier Wochen voraus: „Wie das Wetter an Ägidius, so es vier Wochen bleiben muss.“
Mariä Geburt am 8. September
Der Tag gedenkt der Geburt Marias, der Mutter Jesu, und zählt zu den ältesten Marienfesten der Kirche. Landwirtschaftlich markiert er den Aufbruch der Schwalben in den Süden, ein sichtbares Zeichen des nahenden Herbstes. „Wie sich’s Wetter an Mariä Geburt verhält, so ist’s noch weiter vier Wochen bestellt.“
Kreuzerhöhung 14. September
Das Fest des Heiligen Kreuzes geht auf die Auffindung des Kreuzes Christi durch die Heilige Helena im 4. Jahrhundert sowie die Weihe der Grabeskirche in Jerusalem zurück. In vielen Regionen markierte die Kreuzerhöhung traditionell das Ende der Sommerarbeit auf den Feldern und den Beginn ruhigerer, nach innen gewandter Wochen.
Portaltage am 15. und 17. September
Besonders durchlässig und stark energetische Tore/Tage für innere Klarheit, die einzigen beiden Portaltage im ruhigsten Portal-Monat des Jahres.
Matthäus am 21. September
Matthäus war Zöllner, bevor er von Jesus in seine Nachfolge berufen wurde, und gilt als Verfasser des ersten Evangeliums. Sein Gedenktag zählt zu den bedeutenden Lostagen des Herbstes: „Regnet’s sanft am Matthäustag, sanft der Winter werden mag.“
Mabon / Herbst-Tagundnachtgleiche / Erntedankfest am 23. September
Zur Tagundnachtgleiche stehen Tag und Nacht für einen Moment genau im Gleichgewicht. In der alten Tradition wurde dieser Tag als Mabon gefeiert, das zweite der drei Erntefeste im Jahreskreis, nach Lammas und vor Samhain. Er steht für Dankbarkeit, Ausgleich und die bewusste Würdigung dessen, was gewachsen ist, bevor sich die Natur zunehmend nach innen wendet.
Michaelis – am 29. September (Thing-Tage)
Der Erzengel Michael gilt als Bezwinger des Bösen und Beschützer der Kirche, dargestellt mit Schwert und Seelenwaage. Historisch war der Michaelistag ein bedeutender Wirtschafts- und Zinstermin. Pachtverträge wurden erneuert, Gesinde wechselte den Hof, Abgaben wurden abgerechnet, weshalb man ihn auch das „Bauern-Silvester“ nannte. In enger Verbindung zum Erntedank markiert er den endgültigen Übergang in die dunklere Jahreshälfte. Eine bekannte Bauernregel lautet: „Gibt Michaeli Sonnenschein, wird’s in zwei Wochen Winter sein.“
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Mondenergie im September
Der September trägt die Energie des Gleichgewichts. Was im Sommer gereift ist, darf nun eingebracht werden, in der Natur ebenso wie im eigenen Inneren. Es ist eine Zeit, die den Blick auf das Wesentliche lenkt. Auf das, was noch getragen werden möchte, und auf das, was nun in Dankbarkeit losgelassen werden darf.
Zwischen der letzten Wärme des Spätsommers und den ersten klaren Herbsttagen wird spürbar, dass Licht und Schatten sich für einen Moment die Waage halten, bevor sich das Jahr weiter nach innen wendet. Klarheit, Mut und das Vertrauen in den eigenen Rhythmus dürfen dabei leise in den Vordergrund treten, achtsam, verbunden und im Einklang mit der Natur.

Die Natur befindet sich mitten in der Erntezeit. Kräuter, Getreide und Obst zeigen sich in ihrer vollen Reife, während gleichzeitig die ersten Blätter sich zu verfärben beginnen. Diese Naturweisheit zeigt uns, dass Vollendung und Anfang oft näher beieinander liegen, als wir denken: Kaum ist etwas geerntet, tragen die Pflanzen bereits die Samen für das kommende Jahr in sich.
Dieser Neumond steht im Zeichen der Jungfrau, dem Zeichen der Klarheit, Ordnung und des achtsamen Handelns. Seine Energie unterstützt dabei, große Visionen in konkrete, machbare Schritte zu übersetzen und mit Geduld und Sorgfalt an dem zu arbeiten, was wirklich wichtig ist. Es ist eine gute Zeit, um Struktur in dein Leben zu bringen und dich zu fragen, was du wirklich brauchst und was du loslassen kannst, um klarer zu werden.
Nutze diese Mondphase, um nach innen zu lauschen:
- Wo darf mehr Klarheit in mein Leben einziehen?
- Welche kleinen, konkreten Schritte bringen mich meinem Ziel näher?
- Was darf ich einfacher und aufgeräumter gestalten?
Gegen Ende des Monats wird die ordnende Jungfrau-Energie von der ausgleichenden Waage abgelöst, passend zur bevorstehenden Tagundnachtgleiche. So bereitet sich bereits jetzt vor, was am Monatsende sichtbar wird: das Gleichgewicht zwischen Tun und Sein.
Wie die Natur vertraut auch dieser Neumond darauf, dass alles zur richtigen Zeit wächst. Setze deine Absichten mit Klarheit, nähre sie mit Geduld und lass sie Schritt für Schritt Wirklichkeit werden.

Der Vollmond Ende September fällt in eine besondere Zeit, kurz nach der Tagundnachtgleiche, wenn Tag und Nacht sich gerade erst wieder getrennt haben und die Dunkelheit langsam die Führung übernimmt. Sein Licht macht sichtbar, was in diesem Jahr gewachsen ist, was getragen hat und was nun in Dankbarkeit losgelassen werden darf. Die Natur befindet sich mitten in der Haupterntezeit. Äpfel, Nüsse und die letzten Feldfrüchte werden eingebracht, während die Bäume beginnen, ihr Laub zu färben.
Dieser Vollmond, traditionell auch Erntemond genannt, steht im Zeichen des Widders, dem Zeichen des Mutes, der Entschlossenheit und des klaren Willens. Seine feurige Energie steht im Kontrast zur ruhigen Erdung der Waage-Saison und zeigt die Kraft, die es braucht, um Altes wirklich hinter sich zu lassen, statt nur daran festzuhalten. Passend dazu rückt wenige Tage später Michaelis näher, das Fest des Mutes und der klaren Entscheidung.
Nimm dir Zeit für einen bewussten Rückblick:
- Wofür bist du dankbar?
- Welche Erfahrungen möchtest du bewahren?
- Was darfst du jetzt mit Mut loslassen?
Dieser Vollmond zeigt, dass wahre Fülle nicht nur im Sammeln liegt, sondern auch im Vertrauen, Altes gehen zu lassen. So entsteht Raum für den nächsten natürlichen Wachstumsschritt, im Einklang mit dir selbst und dem Rhythmus der Natur.
